68 BLACK VS. BEAUTY (Teil 1)

”The Funk is in the Funk!”

Nachdem der Bass im April endlich perfekt abgerichtete Bünde bekommen hatte, wurde es im Mai dringend Zeit für einen Saitenwechsel. Bassisten sind ja als notorische Wechselmuffel bekannt – berühmte Beispiele dafür sind James Jamerson (”The funk is in the funk!”) und Bernard Edwards. Da reihe ich mich gleich einfach mal mit ein. 😉

Basssaitensätze sind teuer. Jedenfalls viel teurer als zum Beispiel Gitarrensaiten. Das ist wohl der Hauptgrund dafür, dass die meisten Bassisten selten die Saiten wechseln. Es gibt aber noch ein paar weitere Faktoren, die das Phänomen m. E. erklären:

• Basssaiten reißen relativ selten, sobald man halbwegs heil durch die Phase ”Ich übe Slappen mit so dünnen Saiten wie Mark King” gekommen ist.

• Das Spielgefühl von Basssaiten wird mit der Zeit nicht unbedingt schlechter; viele Bassisten mögen das Gefühl etwas älterer, eingespielter Saiten sogar lieber unter den Fingern haben.

• Auch der Sound etwas älterer Saiten wird oft als etwas wärmer und ”runder” empfunden. Wahrscheinlich, weil die Höhen gedämpfter sind und die Mitten und Tiefmitten stärker hervortreten (jedenfalls bei den meisten Markensaiten). Die Bassanteile des Saiten-Sounds bleiben erfahrungsgemäß längere Zeit erhalten – und im Band-Kontext sind das üblicherweise sowieso die einzigen, die wirklich wahrgenommen werden. 😉

• Und sowieso: ”Außenstehende” (Gitarristen, Schlagzeuger, Musiker, Ehepartner) hören eh keinen signifikanten Unterschied zwischen neuen und alten Saiten, wenn man mal eine qualifizierte Meinung abfragen will. Seufz.

• Saitenwechseln macht Arbeit. Nicht nur durch das Saitenwechseln selbst – denn jeder Wechselprozess gibt eben auch die Gelegenheit zu weiteren Wartungsarbeiten wie Lack- und Griffbrettpflege oder das Überprüfen von Schrauben. Eine Gelegenheit, die Bassisten dann doch sehr gerne mal verpassen. Zumal es ratsam ist, bei jedem Saitenwechsel (vor allem, wenn man die Saitenstärke, -art oder Marke wechselt) auch mindestens die Halskrümmung und die Intonation (”Bundreinheit”) zu prüfen und anzupassen  – Einstellarbeiten, die für manche eher ein Angstthema sind. Deshalb die Devise vieler: ”Never change a running System!”

Und wann sollte man dann wechseln?

Grundsätzlich bleibt das Geschmacksache, aber ein paar Anzeichen für einen dringen notwendigen Saitenwechsel gibt es schon:

• Die Saiten sind mechanisch beeinträchtigt (Dellen, Korrosion, aufgeribbelte Umwicklung etc.).

• Die Saiten lassen sich nicht mehr richtig stimmen (wenn einem das wichtig ist oder man überhaupt weiß, wie das geht).

• Der Bass klingt total scheiße – und es liegt nicht daran, wie du spielst.

• Die Saiten stinken (wer ihn schon mal in der Nase hatte, vergisst den Geruch nie).

Und was ist mit Auskochen?

Habe ich als Schüler oft gemacht (ungefähr so – nur ohne Ofentrocknung). Um Geld zu sparen. Funktioniert auch ganz gut, denn das kochende Wasser löst den Schmutz (Fett, Hautpartikel & nicht mehr identifizierbare Substanzen), der sich mit der Zeit in den Rillen der Saitenumwicklung sammelt und die Saitenschwingung dämpft. Andere – wie James Jamerson – nennen diesen Schmutz allerdings ”Funk” und schätzen ihn als (lebendigen! würg …) Bestandteil ihres Sounds. Nun ja.

Ich bin heute etwas solventer und koche die Saiten nicht mehr aus. Finde das aber immer noch legitim. Aber unbedingt daran denken: NUR DIE SAITEN AUSKOCHEN – NICHT DEN GANZEN BASS!

Und was ist mit FAST-FRET?

Ich benutze das Zeug schon seit den 80ern. Und es hilft meiner Erfahrung nach tatsächlich, den Saitensound länger zu erhalten bzw. den Alterungsprozess der Basssaiten zu verzögern. Auch das Spielgefühl ist flutschiger – muss man allerdings mögen.

Und diese beschichteten Saiten?

Ja, die kann ich auch empfehlen, weil die dem Haften bleiben des ”Funk” in den Saiten aufgrund der Beschichtung effektiv entgegenwirken. Habe ich vor ein paar Jahren mal offiziell getestet und dafür erfreulicherweise gleich drei Sätze Elixier NANOWEB®-Basssaiten bekommen. (Wobei ich übrigens auf den Geschmack gekommen bin, über bassistische Themen zu schreiben, was ja knapp zwei Jahre später zu diesem Blog führte und werweißwohinnoch ….)

Beschichtete Saiten – da war doch auch mal was mit dem Schraubbass? Genau: Die ersten Saiten, die ich letztes Jahr nach dem Zusammenschrauben aufgezogen hatte, waren teure und angeblich ”edle” DR BLACK BEAUTIES. Mit dem Ergebnis war ich aber ziemlich unzufrieden, wie treue Leser dieses Blogs jetzt natürlich sofort einwerfen werden. 😉

Die D- und die G-Saite klangen schlapp, pappig und doof. Ärgerlich, aber ich war mir nicht sicher, ob ich beim Aufziehen einen Fehler gemacht hatte oder die Saiten einfach zu lange rumgelegen hatten (mehrere Jahre). Ich hatte dann doch lieber Rotosounds aufgezogen und war sehr viel zufriedener.

Aber ich wollte den DR-Saiten noch eine Chance geben. Und habe neue bestellt. Schließlich fand ich sie damals zumindest optisch sehr passend:

Und weil’s ums Saitenwechseln geht, nutze ich jetzt gerne die Gelegenheit, alles Weitere rauszuzögern …

Demnächst im noch spannenderen, aber weniger theoretischen zweiten Teil von ”BLACK VS. BEAUTY”: Alles wird sauber! Stay tuned … 

 

 

 

 

67 HEAVEN AND HELLIVER

1A Abgerichtet.

Ich nehme dann mal den im Frühjahr verlorenen Faden wieder auf. Und berichte, wie es mit dem Projekt ”Bünde abrichten” weiterging. Das hätte Harald sicher auch interessiert. Dem habe ich außerdem einen permanenten Platz in der Hauptnavigation des Blogs gegeben – damit er nicht so einfach in den Beiträgen verschwindet.

Ich hatte ja schon festgestellt, dass ich die Bünde auf keinen Fall selbst bearbeiten sollte. Zum Glück hat der gute Oliver Baron seine Werkstatt, die er sich mit dem Soundranger Dave Jordan teilt, nur knappe zehn Fahrradminuten von mir entfernt eingerichtet. Ich bin dort in den letzten Jahren recht oft gewesen, um meine Gitarren & Bässe von Dave überarbeiten oder mit neuen Pickups bestücken oder sonstwie reparieren und einstellen zu lassen. Mit immer sehr erfreulichen Resultaten. Und meist auch verbunden mit entspannt nerdigen Fachsimpeleien über Gitarren allgemein und Gitarrenbau im Speziellen, durch die sich Oliver auch immer bereitwillig von seiner Arbeit ablenken lässt. 😉

Die meisten Reparaturarbeiten, Umbauten etc. von Nicht-Helliver-Instrumenten  überlässt Oliver seit Jahren Dave. Doch Bünde richtet er ganz gerne noch selber ab – ein Service, mit dem man auch wirklich am besten einen erfahrenen Gitarrenbauer beauftragt.

Die Bünde meines Fender MIJ Jazz Basses hatte ich ja schon von Oliver überarbeiten lassen. Das Ergebnis fand ich rundum überzeugend. Also wurde es Zeit, meinen Schraubbass ebenso professionell behandeln zu lassen. Der Termin fand schon im April 2018 statt – und ich hatte darum gebeten, dabei sein und das ganze Prozedere fotografisch festhalten zu dürfen. ”Kein Problem”, sagte Oliver. Also los – Schritt für Schritt!

Bassbünde professionell abrichten à la Helliver.

• Zuerst prüft Oliver Bass & Hals kritisch & fachmännisch. Er wundert sich ein bisschen über das sehr dunkle Palisander und denkt, es sei Ebenholz. Wahrscheinlich liegt die Färbung auch an der intensiven Ölbehandlung, wer weiß.

• Dann werden die Saiten entfernt und weggelegt (gut sortiert, damit ich sie später nicht verwechsle 😉 ) …

… und dann der Hals abgeschraubt. Bei der Gelegenheit meint Oliver, die Halsschrauben könnten durchaus ein paar Millimeter länger sein. Aber da ja alles gut hält & funktioniert: ”Never touch a running system …”

• Dann prüft er den Hals genau. Sein erster optischer Eindruck wird vom Lineal bestätigt: Der Hals ist etwas konvex, hat sich also in Richtung Saiten vorgewölbt / gekrümmt. Deshalb die schnarrenden Bünde.

• Also wird an der Schraube des Halsstabs geschraubt (vorsichtig, langsam, immer nur ein Stück), bis der Hals wieder leicht konkav ist. Also eine leichte Wölbung nach hinten hat – schließlich schwingen die Saiten und brauchen genug Platz dafür über den Bünden. Das heißt, der Halsstab muss etwas entspannt / gelockert und die Schraube dafür gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. Nochmal optische Kontrolle, dann geht’s weiter.

• Jetzt wird der Schleifblock präpariert. Es ist unglaublich, wie viele Werkbänke und wie viel Werkzeug für alle verschiedenen Gitarrenbau-Aufgaben Oliver in seiner Werkstatt auf kleinstem Raum zur Verfügung hat.

• Dann wird geschliffen – die Bünde sollen eine über das ganze Griffbrett gleichmäßig einheitliche Höhe bekommen. Damit – bei perfekter Einstellung von Halskrümmung und Saitenlage – möglichst nichts mehr schnarrt. Welches Schleifpapier mit welche Körnung dabei zum Einsatz kommt? Hab ich vergessen. Am besten den Profi fragen.

• Das ist wirklich eine Aufgabe für einen routinierten Profi. Olivers Bewegungen sind äußerst gleichmäßig und lassen ahnen, wie viele hundert Mal er so etwas schon gemacht hat. Und, Oliver, hast du mitgezählt … ? 😉

• Ich finde, man hört schon am Geräusch, das hier Präzisionsarbeit geleistet wird – oder?

• So sehen die Bünde jetzt aus …

… und im Detail erkennt man sehr schön die sehr gleichmäßig abgeflachten Bundoberflächen:

• Jetzt werden die Bünde wieder verrundet. Damit sie den Saiten oben eine definierte Auflagefläche bieten. Auch dafür gibt’s Spezialwerkzeug. Meine Güte, all dieses Werkzeug! Und ich benutze seit 30 (!) Jahren den gleichen Kreuzschlitzschraubendreher für fast alles …

• Als nächstes werden die Bundkanten sehr sorgfältig gefeilt. Damit nirgendwo scharfe Kanten das Spielgefühl stören. Oder böse Verletzungen hervorrufen.

• Und jetzt werden die Bünde poliert. Soll ja auf der Bühne im Scheinwerferlicht alles schön strahlen.

• Und schwups! Schon sind Hals & Body wieder verschraubt und die Saiten wieder aufgezogen (EADG 😉 ).

• Das Ergebnis überzeugt, aber Oliver überprüft alles noch einmal sehr, sehr akribisch und genau. Stellt die Saitenlage ein und misst (wieder mit einem Spezialwerkzeug), ob die Saitenlage insgesamt auch perfekt der Wölbung des Griffbretts folgt.

• Dann isser fertig!

Das Resultat: Da schnarrt nix mehr. Super Saitenlage, super Sound. Ein höchst sinnvolle Investition in die weitere Optimierung meines Schraubbasses. Mehr dazu bald an dieser Stelle!

PS: Was noch zu erwähnen ist: Trotz seiner konzentrierten Arbeit war Oliver die ganze Zeit dazu in der Lage, mit mir entspannt und inspiriert über Gitarren, das Leben und den ganzen Rest zu plaudern. Wenn ich bedenke, wie ich damals Blut & Wasser geschwitzt hatte, als ich nur die Pickguard-Schrauben gebohrt habe … Es ist für mich eine tolle Erfahrung gewesen, das so begleiten & beobachten zu dürfen. Weil es ein total netter Nachmittag war – und weil ich wieder viel gelernt habe. Und mir wieder klar geworden ist, was für ein toller Beruf Gitarrenbauer ist. Mit meinem Schraubbassprojekt habe ich ja nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was das alles mit sich bringt. Und was man dafür alles mitbringen muss – nicht nur an Werkzeug, sondern vor allem an Talent. Und, im Falle Olivers, dazu noch einen inhärenten und kaum zu bändigen Willen zur Perfektion. Das sieht, hört und fühlt man seinen Instrumenten an. Weshalb ich kaum abwarten kann, den ersten Helliver-Bass erleben zu dürfen … Zum Glück ist er ja schon dabei, ihn zu bauen!

PPS: Breaking News – 😉 – Oliver hat nach dem Vorablesen dieses Beitrags den ungefähren Zeitplan für den Helliver Bass verraten. Bis Ende 2018 soll der Prototyp fertig sein. Wenn alles gut läuft, ist der Bass dann ab Mitte 2019 erhältlich. Mehr dazu beizeiten an dieser Stelle!