62 SOFT ROCK CAFÉ

LONDON CALLING

Ups, ein Monat schon seit dem letzten Beitrag? Tja, als Hobby-Blogger kann einem das passieren. 😉 Hat denn jemand ”Tim schraubt Bass” vermisst? Also ich schon. Gerade weil ich Hobby-Blogger bin und das alles hier aus reinem Spaß mache …

Es gibt immer noch viel zu schrauben an meinem schönen Preci. Davon bald mehr an dieser Stelle. Zwischendurch die Erklärung, warum ich etwas pausiert habe: Wir haben rund um Ostern einen ganz fantastischen Familienurlaub in London gemacht. Da ich aber immer noch kein Familienblogger bin, hier nur eine kleine Anekdote mit Bass-Bezug …

Nein, das sind keine Bassnachbildungen aus Wachs im Salon dieser Madame Tussaud. Da waren wir nicht. Aber nachdem es uns in Berlin (bei unserem Goldene Blogger-Ausflug) so gut im dortigen Hard Rock Café gefallen hatte, sind wir auch in die Filiale London gefahren und begehrten Einlass. Der uns nach relativ kurzer Wartezeit auch gewährt wurde.

Nach dem Essen waren wir nebenan im Shop, in dessen Keller sich THE VAULT befindet – ein früher von Queen Victoria genutzter Tresorraum. Dort werden auf kleiner Fläche sehr viele sehr schöne und wertvolle Exponate aus der Rock-Geschichte aufbewahrt – und es gibt stündlich kurze Führungen.

Wieder was gelernt: Das Hard Rock Café London war das allererste. Und Eric Clapton war der erste, der dem Laden eine Gitarre überließ, wie hier zu lesen ist. Das motivierte dann Pete Townshend, auch eine Gitarre ans Hard Rock Café zu schicken – mit der Notiz ”Mine’s as good as his! Love, Pete.”

Ich liebe solche Geschichten. 😉 

Allerdings war ich mehr als entsetzt, im VAULT auch einen Bass der vollkommen überflüssigen und grundsätzlich total zu vernachlässigenden Softrock-Combo Maroon 5 zu finden. W?T?F? Angesichts der geschichtlichen Größe und Bedeutung der sonstigen Ausstellungsstücke ein Witz. Aber ein schlechter. Bitte entfernen und gegen irgendwas halbwegs Relevantes ersetzen. Im Zweifel gerne noch einen von John Entwistle, der hatte doch wirklich genug davon.

Das war’s als kurze Rückmeldung für dieses Mal. Bald geht’s mit Bass-Berichten weiter, und zwar zum Thema Bünde  abrichten. Stay tuned!

 

 

61 SUNDAY BLUESY SUNDAY

Ohne Titel (noch)

Gestern, am Sonntagnachmittag, spielte ich ein bisschen Bass in meiner Büromansarde. Mir war aus verschiedenen Gründen schön melancholisch zumute. Und wie das dann manchmal so ist, spulte sich plötzlich eine kleine Melodie aus meinen Fingern. Und dann wurde mein alter Fender Bassman 135 plötzlich immer leiser und gab schließlich gar keinen Mucks mehr von sich … damn.

Ich habe den betagten Röhrenamp dann lieber ausgeschaltet. Und den Soundranger angefunkt – mal sehen, was der dazu sagt.

Doch davon wollte ich mich nicht weiter ablenken lassen, denn das kleine Melodiechen gefiel mir. Also spielte ich so lange weiter, bis sie einigermaßen sicher in den Fingern und im Kopf angekommen war. Es fehlt noch ein B-Teil (und vielleicht noch ein C- oder M-Teil), aber es ist so schon ganz ok, finde ich. Um das entsprechende Feeling nicht zu verlieren, nahm ich das dann schnell mal auf:

Dafür habe ich folgendes Setup benutzt:

• Vom Bass in das Boss ’63 Fender Reverb-Pedal für einen Hauch Hall.

• Vom Pedal direkt in das iRig HD 2-Interface.

• Vom iRig ins iPhone und dort in die Apple Musikmemo-App.

• Vom iRig per Kopfhörer ins Ohr.

Am Bass habe ich den Tone-Regler ca. halb zugedreht, um den Sound etwas weicher zu machen.

Ich bin ganz zufrieden mit der Aufnahme. Die Komposition war sozusagen ”noch warm” und keine halbe Stunde alt – so ist die ursprüngliche Stimmung, in der das Stück entstand, noch gut nachfühlbar. Und die Musikmemo-App erstaunt mich immer wieder damit, dass sie sich weitgehend latenzfrei anfühlt – und den Sound meines Selbstschraub-Precisions sehr adäquat abbildet.

Als ich die Aufnahme der Familie unten in der Wohnung vorspielte, fand sie’s auch sehr schön. Was den Amp-Ärger verdrängte und die schöne Melancholie noch schöner machte.

Und was ist jetzt mit dem Fender?

Mal sehen, ob das vielleicht (hoffentlich!) nur eine kaputte Röhre ist. Der Amp ist jetzt rund 40 Jahre alt … Und ich nutze ihn nur noch als Übungs-Amp, was einigermaßen grotesk ist – früher war das ein Top-Profi-Bühnen-Bassverstärker. Aber das Ding wiegt soviel wie ein kleiner Panzer und ist auch so gebaut. Sehr umständlich, unhandlich und nicht mehr ganz zeitgemäß. Aber was für ein mörderisch geiler Sound!

Vielleicht muss ich meinen Vorsatz, mir dieses Jahr nix zu kaufen, doch noch mal überdenken … Am anderen Ende des Bassamp-Spektrums wartet nämlich eine kleine grüne Versuchung auf mich:

Zusammen mit meiner Hartke 12er-Box wäre das doch eine superhandliche Zweitanlage … 😉 Mal sehen!

 

60 BRÜCKENTAG

“With my little thing”

Wie im letzten Beitrag berichtet hat mein Bass Halsweh, was sich durch zunehmendes Scheppern an verschiedenen Stellen auf dem Griffbrett äußert. Der Hals hat sich im Winter offensichtlich etwas gerade gezogen – Holz arbeitet eben. Das kann ja auch so bleiben. Ein  total gerader Basshals wird ja von vielen als Idealform gesehen. Jeff Berlin zum Beispiel möchte gerne einen ”flat neck” – und er muss das wissen. Aber das Scheppern muss weg. Also müssen die Saiten hoch.

Dafür muss ich die Saitenreiter auf der Brücke bewegen, also erst die vorderer Feststellschraube lösen und dann die Reiter selbst hochschrauben. Das hatte ich ja schon mal beschrieben. Aber jetzt habe ich ja ein neues Werkzeug, dass ich bei dieser Gelegenheit gleich mal ausprobieren kann!

Tja. Ich mach’s kurz. Oder, besser gesagt: Das Tool ist zu kurz. Der Ausklapp-Inbus lässt sich von oben zwar ganz gut in die Madenschrauben einführen. Aber die Feststell-Schraube vorne am Saitenreiter ist mit dem Ding nur schwer erreichbar. Manchmal kommt’s eben doch auf die Länge an.

Aber nicht nur auf die: Das Multitool liegt satt und schwer in der Hand – was eine sehr gute Hebelwirkung beim Schrauben ergibt. Die ist vielleicht beim Einstellen des Halsstabs hilfreich. Aber nicht bei der Brücke, da braucht man Fingerspitzengefühl. Dem steht die gute Kraftübertragung aber im Weg. Man schießt sehr schnell und leicht übers Ziel hinaus.

Also nehme ich lieber das mit der Brücke mitgelieferte und mit bloßem (jedenfalls meinem 47jährigem) Auge kaum sichtbare Werkzeug zur Hand:

So geht’s. Die Saitenreiter sind jetzt minimal höher – und das Scheppern in gewissen Bünden ist deutlich weniger geworden. Um das ganz zu eliminieren und die Saiten wieder tiefer legen zu können, müssen die Bünde abgerichtet werden. Dafür mache ich alsbald mal einen Termin beim Profi.

Übrigens: Diese Einstellarbeiten möchte man mit dieser Brücke wohl eher nicht eben schnell auf einer dunklen Bühne kurz vorm Auftritt erledigen. Dafür sind andere Brückenmodelle vielleicht besser geeignet. Aber klanglich ist diese hier eben top – weil sie durch das feste verschrauben aller beweglichen Teile nirgendwo rappelt und Energie verschwendet. Das will ja auch keiner.

Also immer schön den winzigen Inbus einpacken. Und jetzt alle mitsingen:

”I’m a piccolo man
I’m a piccolo fan
With my little thing
There is no place I haven’t been!”