10 RINSE AND REPEAT

Shampoo Algorithm

Jetzt ist der zweite Ölauftrag dran. Und ich frage mich, ob ich zu lang damit gewartet habe. Der erste Auftrag scheint nämlich schon sehr gut eingezogen und ausgehärtet zu sein. Und beim zweiten ändert sich die Farbe kaum noch, obwohl auf der Flasche steht, dass die Farbe beim zweiten Auftrag kommt …

Ich mach’s trotzdem, öle alles nochmals gut ein – und bin vom Ergebnis äußerst angetan. Denn je nach Licht & Einfallswinkel changiert der Look jetzt ganz wunderbar zwischen hellgolden / Honig und tiefgründigem Bernstein. Das gefällt mir! Hätte ich es darauf angelegt, dass das Finish so wirkt, hätte ich es wahrscheinlich nicht hinbekommen …

Also gibt’s heute „nur“ eine schöne Bildergalerie für Holzfans! Angenehmes Wochenende allerseits …

09 DER ÖLPRINZ

Im Bernsteinzimmer

Nach dem Sattel-Desaster gehe ich ganz ruhig und gelassen an den nächsten Arbeitsschritt: die Vorbereitung der Hölzer. Was kann man da schon falsch machen? So wenig, dass ich jetzt schon Spoilern kann: Es lief ganz gut … 😉

Die Flasche mit dem Bernstein-Öl habe ich gut aufgeschüttelt. Mit geschlossenem Verschluss. Alles bereit? saugfähige Unterlage aus den Kartonresten des Bausatz-Pakets gebastelt, Pinsel ready – und los!

Nein, ich gieße das Öl nicht direkt auf den Pinsel. Oder aufs Holz. Sondern erst in einen Becher. Wie schon erwähnt: Vor Urzeiten habe ich schon Mal einige Möbel mit Öl und Wachs behandelt. Yeah, das macht mich gefühlt zum halben Tischler, oder?

Aber erst folge ich dem Rat von Ludger Heeke, das Holz noch etwas abzuschleifen. Aber nur etwas. Ich mache das ganz sanft – denn das Holz erscheint mir eigentlich schon perfekt geschliffen.

Aber es erscheint mir sinnvoll, das Griffbrett abzukleben. Soll ja nur mit Griffbrett behandelt werden, nicht mit Hartöl.

Dann ziehe ich mir Gummihandschuhe über. Die OP kann beginnen! Ich gieße etwas Öl in einen alten Joghurtbecher. Und pinsele drauflos. Erst Body, dann Hals.

Schöne Farbe, oder? Prima, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Die Maserung wird betont und die Farbe geht sehr schön in Richtung Bernstein. Toll, wenn etwas klappt, wie es geplant war! 😉

Das Ergebnis:

Wow! Ich fühle mich jetzt echt wie ein richtiger Bassbauer. Jens Ritter, aufpassen – jetzt kommt Tim Stelzer!

Uns so sieht beides zusammen aus:

Ha! Das lief gut. Das motiviert. Und jetzt ist Pause, denn das Öl soll ja ein bisschen einziehen vor dem nächsten Auftrag.

Also genug Zeit für ein nettes Bassvideo!

 

 

08 NA SUPER!

„The Roof is on Fire“

Weltweit werden täglich tausende Bässe produziert. In weitgehend automatisierten Arbeitsprozessen oder von handwerklich geschickten Händen in gut ausgestatteten Werkstätten. Und jetzt komme ich!

Meinen Arbeitsplatz richte ich mir auf dem Dachboden ein. Das Dach ist zwar unisoliert, aber deshalb ist es auch schön luftig hier. Nun ja, im Sommer knallt vormittags die Sonne drauf und es ist etwas warm. Meist sogar ziemlich warm.  Wobei „warm“ in diesem Fall als „wie in der Sauna“ zu verstehen ist. So sieht’s aus:

Alles bereit für den ersten Arbeitsschritt? Yes … we can! Oder …?

Es ist eigentlich ganz einfach. Der Sattel, den ich mitbestellt hatte, ist für meine bevorzugte Saitenstärke 45-65-85-105 gekerbt. Aber er ist nicht eingeklebt. Laut Martina von BassParts.de reicht da ein Tröpfchen Sekundenkleber. Also los. Ganz einfach. Was sollte da schon schiefgehen?

OK, ich mach’s kurz: Ich versaue gleich den ersten Arbeitsschritt beim Zusammenschrauben meines Basses. Ganz instinktiv! 😉

Den wo würde ein halbwegs handwerklich denkender Mensch das Tröpfchen Sekundenkleber auftragen? Richtig, auf die Unterseite des Sattels. und dann einfach in die Fräsung setzen. Fertig.

Und was macht ein Dilettant stattdessen? Richtig. Ich versuche, den Tropfen in die Fräsung zu applizieren. Was natürlich nicht sauber ausgeht: Links und rechts neben der Fräsung sind jetzt kleine Stellen mit Sekundenkleber verschmiert. Na super!

Ich fange an zu schwitzen. Ich kann gerade noch den Impuls unterdrücken, den Sekundenkleber MIT DEM FINGER wegzuwischen. („Herr Stelzer, erzählen Sie jetzt bitte auch noch mal all meinen Kollegen hier in der Praxis, wie der Basshals an Ihren Finger gekommen ist!“)

Ich setze also den Sattel ein, achte auf korrekt mittigen Sitz und wische dann panisch mit dem Wolltuch den Kleber weg. Das Ergebnis:

Grandios. Als hätte ich beweisen wollen, warum dieses Bassbauprojekt für mich so eine Herausforderung ist.

Nun ja. Es hat wenigstens keine Auswirkungen auf Klang oder Funktionalität des Instruments. Auch wenn es mir jetzt so vorkommt, dass der Sattel unten doch ein wenig übersteht, einen halben Millimeter oder so. Ob das zum Problem wird? Das werde ich später sehen. Und kann es dann ja noch korrigieren (lassen).

Schnell zum nächsten Arbeitsschritt: Das Griffbrett muss noch geölt werden. Damit kenne ich mich aus, das gehört ja zu den empfehlenswerten regelmäßigen Wartungs- und Pflegearbeiten für Gitarren und Bässe. Also los, mit dem passenden Produkt:

Ich lasse das Öl schön lange einziehen, trage dann noch ein bisschen auf und reibe das Griffbrett dann vorsichtig mit einem Baumwolltuch ab. Fertig.

Ich bin komplett nassgeschwitzt und völlig erschöpft. Meine fehlende handwerkliche Intuition erstaunt mich immer wieder!

Ich brauche jetzt eine Pause. Morgen geht’s weiter …