80 THE BASS BABY (I)

Der erste Helliver-Bass im Test (Teil 1)

Vielversprechende Ankündigungen gab es ja schon vor zwei Jahren – aber jetzt ist es endlich soweit: Der erste Helliver-Bass ist fertig! Und ich durfte ihn bereits testen. Ausführlich! Das verdient natürlich gleich eine ganze Artikel-Reihe. Viel Spaß beim Lesen …

… und genau da setzen erstmal meine grundlegenden Vorbemerkungen ein. Ich bin ja immer ein leidenschaftlicher Leser von Zeitschriften gewesen, vor allem im Bereich Musik. In den 80ern kaufte ich natürlich das FACHBLATT MUSIKMAGAZIN, mit dessen Hilfe ich mir einen großen Teil meines musikalisch-technischen Grundwissens angeeignet habe. Und zwar lesend. Denn hörbare Musik fand damals vor allem auf Schallplatten und in Konzerthallen statt. Ab und zu auch mal im TV. Und das war’s im Wesentlichen.

Wenn also im FACHBLATT eine Gitarre oder ein Bass getestet wurde, war ich auf die Sprachmacht des Autoren und mein eigenes Vorstellungsvermögen angewiesen, um die Details nachzuvollziehen und vor allem auch den Sound des Instruments zu ”hören”. Mit etwas Glück konnte man auch in einem gut sortierten Musikgeschäft (gab’s damals noch viel mehr von) unter den misstrauischen Blicken des Verkaufspersonals ”mal was testen”. Beim Lesen der Testberichte im FACHBLATT musste man dann seine selbst gemachten Hör- und Spiel-Erfahrungen fantasievoll auf die Schilderung der jeweiligen Gitarre oder des Basses übertragen, um einen gewissen synästhetischen Effekt zu spüren. Im besten Fall klappte das ganz gut. Oder man blieb beim Lesen von Adjektiven wie ”holzbetont”, ”mittenstark”, ”griffig”, ”schwingfreudig” oder gar ”sahnig” etwas ratlos zurück.

Wahrscheinlich haben auch solche Lese-Erfahrungen stark dazu beigetragen, dass ich bis heute ein Mensch des geschriebenen Wortes bin (womit ich ja auch mein Geld verdiene). Und immer noch gerne Musikzeitschriften lese. Und mich an gut geschriebenen Testberichten erfreuen kann. Und an gelungener musikalischer Sprache. Und an Angeber-Fachbegriffen wie ”Synästhesie”, die ich furchtbar gerne in meine eigenen Texte einstreue.

Heute bieten viele Musikzeitschriften online Soundfiles an, die ihre Testberichte ergänzen. Und auf YouTube finden sich abertausende von Filmen, in denen Musikequipment mehr oder weniger ausführlich und kompetent vorgestellt und getestet wird. Aber ich lese immer noch gerne Zeitschriften. Und schreibe gerne über Musik. Warum ich kein Videoblogger bin, habe ich letztens ja ausführlich dargelegt.

Deshalb wird es im ersten Teil meines Testberichts zum ersten Helliver-Bass keine Soundfiles oder Videos geben. Vielleicht in den nächsten Teilen – mal sehen …

Los, zeigen: Pics & Specs.

Ein wesentlicher Vorteil anständiger Print-Produkte ist natürlich die Möglichkeit, ansprechende Fotos in optimaler Qualität präsentieren zu können. Davon lebten (und leben) die Fachmagazine ja auch wesentlich. Tja, aber an dieser Stelle müssen meine unprofessionell eben schnell aus dem Handgelenk gemachten Bilder des Basses ausreichen. Sie sind letzte Woche in der neuen Helliver- (und Soundranger)-Werkstatt entstanden. Der Umzug in die neue, große, helle und rundum vorteilhaftere Location hatte den guten Oliver dieses Jahr ziemlich auf Trab gehalten – und die Fertigstellung des Basses etwas verzögert.

Vor ein paar Wochen durfte ich den Bass schon in einem weit fortgeschrittenen Rohzustand bewundern, kurz vor der diesjährigen Guitar Summit in Mannheim. Dort war der fertige Bass dann zum ersten Mal live zu sehen – und in der Gitarre&Bass gab’s online dazu ein Foto plus kurzen Text. Darin ist zwar was von einem durchgehenden Hals zu lesen, aber solche Details kann man in der Aufregung schon mal versemmeln.

Ich versuche mal, es richtig(er) zu machen – hier kommen die Bilder & Spezifikationen!

Hey, Baby! Der Helliver-Bass auf der Casting-Couch.
Nice body …
… nice head!
Schön schlicht …
… schlicht schön!

Und hier die von Oliver gelieferten Bass-Daten:
• Mahagoni-Korpus 3-teilig
• Mahagoni-Hals 1-teilig
• Ebenholz-Griffbrett
• 32“ Mensur
• 12“ Griffbrett-Radius
• Kräftiges C-Profil
• Sattelbreite: 40 mm
• Bünde: Jumbo 2,8×1,4 mm
• Hipshot Mini-Mechaniken
• Brücke: ABM 3700 MKII (Messing)
• Häussel Jazzbucker (seriell, parallel, split)
• Master-Volume und -Tone
• Nitro-Lackierung offenporig matt
• Gewicht: 3,6 kg
• Anvisierter Preis inkl. Koffer & Gurt: 3.700,-
• Erhältlich ab Anfang 2020

Kurz vor meinem Bass-Test in den Helliver-Hallen hatte der gute Gudze den Bass ein paar Tage auf Tour getestet (was die auf den Fotos sichtbaren ”leichten Gebrauchsspuren” erklärt 😉 ) – und anschließend neue Saiten aufgezogen, offenbar Ernie Ball – ”die Stärke müsste auch 55-105 oder 110 sein”, meinte Oliver.

Aufgepasst? Genau: Der Bass ist ein Medium-Scale-Instrument. Die (und auch Short-Scale-Bässe) sind ja wieder schwer (nein, eben nicht!) im Kommen, weil sie so handlich & leicht sind. Einen Vertreter dieser Instrumenten-Gattung hatte ich letztes Jahr auf der Messe bei Musik Produktiv kurz getestet – den Marleaux Votan P30. Der hatte mir gut gefallen, weil ich im Vergleich zu einem ”normalen” Longscale-Bass nichts vermisst habe.

Und das führt mich direkt zum so jungen und frischen Helliver-Bass.

Hand drauf!

Ich durfte Olivers Bass-Baby – oder Baby-Bass, wie man halt will – letzte Woche ausführlich testen und spielen. Praktischerweise gehört zum neuen Helliver-Imperium in der Salzmannstraße auch ein großer Bandraum, in dem mir ein Bass-Amp zur Verfügung stand. Auf dessen Sound ich mich hier aber nicht konzentrieren möchte. Wird sonst zu komplex. It’s all about that bass, Baby!

Unter Olivers aufmerksamen Augen & Ohren und begleitet von seinen Erklärungen zu den Konstruktionsdetails spielte und testete ich also, was das Zeug hielt.

Meine Güte, hat das Spaß gemacht.

Der Bass fühlt sich vom ersten Anpacken an einfach ”richtig” an. Das heißt, alles sitzt so, wie man es will und von guten Bässen gewohnt ist. Er ist (vergleichsweise) rückenschonend leicht (3,6 kg), was mir besonders gut gefällt, und bietet sämtlichen Händen und Fingern genau die passenden Angriffsflächen, Rampen, Flächen und Nischen, die für die unterschiedlichen Bass-Spieltechniken gefragt sind. Die 32″-Mensur fällt überhaupt nicht auf, wenn man dann mit dem Spielen anfängt. Und danach sowieso nicht.

Denn der Sound des schwingfreudigen, griffigen Basses ist so holzbetont, mittenstark und richtiggehend sahnig, dass … äääähhhh … nochmal von Vorne. 😉

Der Bass hat nur einen Pickup, was mir ja liegt. Per Kippschalter kann der Häussel-Jazzbucker umgeschaltet werden: seriell, einspulig (halsnahe Spule), parallel. Ich habe mit seriell angefangen – und mich sehr über den basslastigen Druck gefreut, den schon die leer angespielte E-Saite entwickelte. Und dieser satte Druck steht über das gesamte Griffbrett zur Verfügung – höchst erfreulich. Keine Spur von Schlabbrigkeit, trotz der kürzeren Mensur, ganz im Gegenteil: Die Saiten fühlen sich sehr schön straff an, sprechen schnell an und schwingen sauber aus.

Im einspuligen Betrieb wird der Sound offener, klarer. Natürlich mit etwas weniger Druck und Lautstärke, dafür kommen Details präziser rüber. Hier geht’s dann am ehesten in Richtung Fender/Preci, wenn man solche Vergleiche überhaupt ziehen kann und will. Ich habe das Helliver-Baby als ziemlich eigenständig erlebt. Ein gewisses Preci-”Knurren” ist durchaus hörbar, wenn man will. Aber eben nicht Preci-typisch, sondern etwas … ”schnurriger”? (Ich muss gerade selbst lachen beim Schreiben. Aber es kommen jetzt noch mehr tolle Adjektive, versprochen!)

Der Parallelbetrieb der Spulen sorgt dann für die üblichen Mitten-Auslöschungen. ”Freunde der etwas härteren Gangart kommen hier voll auf ihre Kosten” … Wieder ein Kästchen im Testbullshit-Bingo angekreuzt, aber was soll’s – es stimmt. Der Bass klingt hier nach Metal, da ist viel Bass & Treble am Start. Mir hat dieser Sound vor allem beim Slappen sehr gut gefallen. Aber auch für Flageoletts etc., wobei dafür der einspulige Betrieb sogar noch mehr Substanz & Charakter bietet.

Beim ausgiebigen Spielen wanderte die rechte Hand allerdings immer wieder zum Mini-Kippschalter (der nur provisorisch ist, wie mir Oliver versicherte), um auf seriellen Betrieb umzuschalten. Müsste man den Schalter beschriften (so wie dunnemals ”Rhythm” und ”Treble”), ich würde für ”Fun!” plädieren, um diese Stellung eindeutig zu kennzeichnen. Dieser Druck, den dann mit einem Mal zur Verfügung steht – genial. Macht riesigen Spaß und knippste mir jedes (!) Mal ein Lächeln ins Gesicht (wohin auch sonst).

Erstes Fazit nach rund eineinhalb Stunden Spielzeit: Cool! Sexy! Ich hätte locker und mit Freude einfach so weiterspielen können, und zwar ziemlich lang, und das lag garantiert nicht nur am geringen Gewicht des Basses. ”Überzeugende Premiere: Der erste Helliver-Viersaiter ist trotz seines blutjungen Alters ein erwachsener Player und macht seiner noblen Herkunft alle Ehre.” … ääähhh … oder so ähnlich.

Es wird aber noch besser … Heute Abend darf ich das Baby aus der Werkstatt entführen und bei der Bandprobe ausprobieren. Yeah! Die passende Stelle, um ein großes DANKE, OLIVER! in den Text einzubauen …

Es folgen in Kürze also weitere Berichte zum Helliver-Bass. Wenn’s passt, sogar mit Sound … Stay tuned!

78 BEHIND THE SCENES

Read on? Oh dear

Die Idee war einfach: Nachdem ich für den letzten Beitrag ein Video aufgenommen und bei dieser Gelegenheit erwähnt hatte, warum ich kein Video-Blogger bin, wollte ich das noch weiter belegen. Mit einem charmanten Fail-Video, zusammengeschnitten aus den Outtakes meines amateurhaften Video-Versuchs. Aber dann kam das Leben dazwischen. Aber nicht meins – sondern (bisherigen Erkenntnissen zufolge) ein weitgehend falsches. Oder zumindest fiktives.

Das ist jetzt schon ein paar Wochen her. Es geht um Marie Sophie Hingst. Die laut Wikipedia ”eine deutsche Bloggerin und Hochstaplerin” ist. So einen ersten Satz im Wikipedia-Eintrag muss man sich erstmal erarbeiten.

Was hat das mit #timschraubtbass zu tun? Das hängt mit den Goldenen Bloggernzusammen. Denn mein Bass-Blog war mal in der Kategorie ”Bestes DIY-Blog” für die Auszeichnung ”Goldene Blogger 2017” nominiert. Darüber hatte ich hier auch ausführlich berichtet.

Den Hauptpreis – ”Bloggerin des Jahres 2017” – gewann damals Marie Sophie Hingst für ihren Blog ”Read on my dear, read on”. Dieser Preis wurde ihr mittlerweile offiziell aberkannt. Denn ”Mademoiselle Readon”, wie sie sich selbst nennt / nannte, hat nach Recherchen des SPIEGEL wahrscheinlich große Teile, wenn nicht sogar alle Inhalte ihres Blogs frei erfunden. Und darüber hinaus wohl auch ihre eigene Biografie nicht den Tatsachen entsprechend dargestellt: Sie hat offensichtlich keine jüdischen Vorfahren. Aber hat bei Yad Vasheem gefälschte Opferdokumente eingereicht.

”Künstlerische Freiheit” … ?

So weit, so unfassbar. Aber es kommt noch besser: ”Dem Spiegel zufolge ließ Frau Hingst dazu über einen Anwalt mitteilen, dass die Texte ihres Blogs ’ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit’ für sich in Anspruch nähmen” – so steht es zum Beispiel im Wikipedia-Eintrag zitiert. Meine Güte! Kann man sich das wirklich ernsthaft selbst so einfach machen wollen?

Ich hatte mir Ende 2017 so ziemlich alle meine mitnominierten ”Goldenen Blogger”-Kandidaten näher online angeschaut. Frau Hingst war nicht nur als ”Bloggerin des Jahres” nominiert, sondern auch für den ”Blogtext des Jahres”. Der hat den Titel ”Eine Banane” und erschien in ihrem Blog am 17. Juni 2017. Die Blog-Website ist natürlich schnell abgeschaltet worden, aber das Netz vergisst wenig – der Beitrag ist hier noch zu finden.

Ich fand den Text damals im positiven Sinne rührend und war auch etwas beeindruckt. Wow, engagierte Sozialarbeit in einem indischen Slum. Und ein Blog darüber. Da ist meine kleine Bass-Geschichte ja eher harm- und belanglos gegen. Dachte ich. Bei der Goldene-Blogger-Gala hatte ich Marie Sophie Hingst dann am Ende auch kurz persönlich gratuliert und fand es sympathisch, wie sie sich offensichtlich über die Auszeichnung freute. Ihr (wohl ausnahmsweise reales) Engagement für Denis Yücel, das sie dann noch in ihrer Dankesrede ausbreitete, fand ich persönlich in diesem Kontext etwas aufgesetzt und deplatziert – aber sich für weltweite Pressefreiheit und inhaftierte Journalisten einzusetzen, kann natürlich nicht falsch sein. Vor allem, wenn man selbst so eine authentische, der Wahrheit verpflichtete und sozial engagierte Bloggerin … äh … tja.

Soweit mein ”brief brush with fame”. Der eine zusätzlich unschöne Note dadurch bekam, dass viele Artikel über den Fall Hingst mit einem Foto bebildert wurden, das sie bei der Goldene-Blogger-Gala im Januar 2018 zeigt – mit meiner Familie im Hintergrund. Na super.

Kontaminierte Wahrheit.

Was die allgemeine Einordnung der Geschichte angeht, empfehle ich Alex Rühles Artikel in der Süddeutschen Zeitung ”Wie man Wahrheit kontaminiert”. Unbedingt lesen. Nicht nur, weil darin mehrmals das Wort ”Penis” vorkommt.

Was meine persönliche Reaktion auf die Geschichte angeht: Ich fühlte mich wirklich mies, als ich das mitbekam. Warum? Könnte mir ja egal sein. Trotz des persönlichen Involvements, das ja eher am äußeren Rande der Geschichte verortet ist.

Vielleicht lag es daran, dass ich im Herbst 2018 in meiner kleinen Twitter-Blase plötzlich viele Reaktionen auf einen Blog-Artikel von Frau Hingst aufploppen sah. Hauptsächlich Beileidsbekundungen. Am 3. Oktober 2018 hatte sie unter dem Titel ”Das Ende von Anfang an” (hier zu finden) über den Tod eines ihr sehr nahestehenden Menschen geschrieben, den ”Tierarzt”. Ich las das in ihrem Blog und las dann auch noch ein paar Geschichten, die den Anfang ihrer Beziehung mit diesem Tierarzt in einer ländlichen Irland-Idylle zum Thema hatten. Mir war das vom Schreibstil her etwas zu gewollt lyrisch, von der Darstellung und vom Setting her etwas zu pilcherig (mit Irland statt Cornwall). Aber es berührte mich trotzdem sehr. Denn ich hatte 2018 den Tod meines lieben Freundes Harald zu beklagen – und ich hatte seinen Tod ja auch hier in meinem Blog öffentlich beklagt und versucht, irgendwie zu verarbeiten. Und habe dafür von vielen lieben Menschen sehr liebe Reaktionen bekommen, die mir einen kleinen Trost in dieser beschissenen Geschichte gaben.

Jetzt steht der begründete und meines Wissens bisher nicht mal ansatzweise widerlegte Verdacht im Raum, dass auch diese Geschichte keine Basis in der Realität hat, sondern ”ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit” für sich in Anspruch nimmt.

Also: kein Tierarzt, kein Todesfall, kein verzweifelt brüllendes Kälbchen (bitte lest es selbst, es ist mit dem Wissen von heute betrachtet wirklich frappierend geschmacklos).

Aber: Jede Menge lieb gemeinte Nachrichten an Frau Hingst, in denen es um Trauer und Trost und Beileid und Zuspruch und große Gefühle und so geht. Die sie offensichtlich einfach mal so für sich mitgenommen hat. Ohne darauf hinzuweisen: Hey, ist doch nur eine Story! Der Tod meines lieben und geliebten Freundes ist genauso Fiktion wie er selbst! Zwinkersmiley!

Ich könnte kotzen.

Denn ich halte das nicht nur für unanständig, sondern für asozial und krank.

Es bleibt dabei bisher reine Spekulation, ob dieses Verhalten auf einer Persönlichkeitsstörung oder psychischen Erkrankung oder was auch immer basiert. Ich habe dazu jedenfalls bis heute nirgendwo etwas Fundiertes gelesen. Aber egal, was da die Ausgangslage war/ist – für ein geisteswissenschaftliches Studium mit Abschluss hatte es ja offensichtlich noch gereicht. Ich unterstelle da mal ein gewisses Reflexionsvermögen. (Aber, andererseits: Ich habe ja selbst auch ein geisteswissenschaftliches Studium in Deutschland absolviert und weiß aus eigener Anschauung: geht auch ohne.)

Wie auch immer – für wichtiger halte ich die weiteren Auswirkungen, die das hat. Oder haben kann.

Ich persönlich fühle mich getäuscht und betrogen. Und zwar, um es ganz deutlich zu sagen, von Marie Sophie Hingst – nicht vom Organisationsteam der Goldenen Blogger. Da gab es natürlich bereits einige Stimmen (auf Twitter), die Vorwürfe in diese Richtung formulierten. Aber mir ist es grundsätzlich eher sympathisch, dass da vor zwei Jahren keine große Recherche-Maschine angelaufen war, um die Fakten hinter dem Blog von Frau Hingst zu checken. Ich bin nämlich auch eher so strukturiert, dass ich vom Guten im Menschen ausgehe. Und nicht davon, mutwillig getäuscht zu werden.

Außerdem besteht in Deutschland, soweit ich weiß, immer noch Bloggerpreisausschreibungsfreiheit. Wenn jemand das ”besser” oder auch nur anders machen will als das Team der Goldenen Blogger, soll sie/er das mal machen.

Aber für die ”Blogosphäre” und nicht nur die kann der Fall Hingst bedeuten, dass Misstrauen immer mehr zum grundsätzlichen Modus der Rezeption wird. Und das fände ich furchtbar. Schade. Traurig. Und es beschädigt diese schöne, seltsame, vielfältige, umregulierte und freie Publikationsform ”Bloggen”, die ich mittlerweile etwas besser kennen und auch schätzen gelernt habe. Jetzt bin ich eher ernüchtert.

Hinter den Kulissen.

Vor einigen Wochen habe ich mich abgemüht, ein Bass-Video halbwegs passabel aufzunehmen. Davor hatte ich das Stück viel geübt. Bei zwei Aufnahmesessions an zwei Tagen habe ich dann eine halbwegs passable Version zustande bekommen. Und hier veröffentlicht.

Da hat mich niemand zu gezwungen. Die Klickzahlen meines Nischenblogs sind eh unerheblich; ich mache das hier, weil es mir Spaß macht. Ursprünglich wollte ich nur den Entstehungsprozess meines Schraub-Basses dokumentieren und gleichzeitig ein bisschen WordPress-Erfahrung sammeln. Dass das dann zu den Goldenen Bloggern führte, hätte ich nie erwartet. Und auch nicht planen können. Ich wusste noch nicht mal, dass es sowas wie Blogger-Preise gibt.

Das Bloggen macht mir weiterhin Spaß, auch wenn Arbeit und Familienalltag und meine sonstigen Aktivitäten (zum Beispiel meine Band) wenig Zeit dafür lassen.

Ich freue mich, wenn ich ab und zu mal nette Reaktionen auf meinen Blog bekomme. Ich verfolge keine weiteren Absichten damit. Und Geld verdiene ich damit erst recht nicht, im Gegenteil.

Aber ich stelle die Dinge hier gerne so dar, wie sie sind. Ich bin zum Beispiel überhaupt kein Handwerker, das gehörte zur Ursprungsmotivation meines Schraub-Projekts, wollte aber trotzdem mal sehen, wie weit ich wohl mit dem Bass-Schrauben komme. Und ich habe dabei viel gelernt. Und es hat Spaß gemacht.

Das folgende Video habe ich ursprünglich auch deshalb zusammengeschnitten, weil ich zeigen wollte: Ich bin kein Video-Blogger. Das ist (für mich) viel zu viel Aufwand und Arbeit. Meine Fähigkeiten und Ressourcen sind eben begrenzt. Oft kann ich, wenn ich mir Mühe gebe, etwas über diese Grenzen hinausgehen, manchmal dabei auch dauerhaft etwas lernen oder mir sogar aneignen. Und hier kann man mich jetzt bei genau diesem Prozess beobachten:

Achtung! UFO-Angriff von rechts oben!

Was Frau Hingst hingegen so alles geschrieben und in ihrem Blog und sonstwo behauptet hat, wird mittlerweile mit dem Begriff ”Legenden” belegt. Und das könnte ja auch legitim sein. Legenden zu schreiben. Wenn man dann auch IRGENDWO und vor allem VON ANFANG AN klare Hinweise dazu gibt, dass es fiktive Geschichten sind, denen ”ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit” zugrunde liegt.

Diese Hinweise gab und gibt es allerdings meines Wissens nicht. Nirgendwo.

Das macht mich traurig und wütend. Und ich weiß von anderen Bloggern, die ich 2018 bei der Goldene-Blogger-Gala kennen gelernt habe, dass es ihnen genauso geht.

Und es war mir ein inneres Bedürfnis, darüber zu schreiben – und meine Sicht der Dinge, wie sie sich mir darstellen, möglichst klar auf den Punkt zu bringen.

Denn ich versuche grundsätzlich, mein Leben einigermaßen authentisch zu leben. Schließlich habe ich nur dieses eine. Sich selbst mit irgendwelchen Unwahrheiten und Bluffs in den Vordergrund zu spielen und damit andere (und auch sich selbst) zu täuschen, ist in meinen Augen keine sozial akzeptable Lebensgestaltung. Aber eine, die ich schon oft erlebt und beobachtet habe. Mit einer gewissen Faszination – denn man kann erstaunlich weit damit kommen.

Aber, und das beobachte ich auch in diesem Fall: Es hat immer einen Preis, sein Leben so zu gestalten.

Oder es führt dazu, dass man ihn aberkannt bekommt.

Case closed.